Herausgegeben von Henning Franzen, Anne Burkard und David Löwenstein

Erarbeitet von Dominik Balg, Anne Burkard, Henning Franzen, Aenna Frottier, David Lanius, David Löwenstein, Hanna Lucks, Kirsten Meyer, Donata Romizi, Katharina Schulz, Stefanie Thiele und Annett Wienmeister

2022 – CC BY-NC-SA 4.0

Kurzbeschreibung

Die Entwicklung argumentativer Fähigkeiten ist ein zentrales Ziel des Ethik- und Philosophieunterrichts, ja überhaupt ein zentrales Bildungsziel. Wie aber kann das gelingen? In vielen verfügbaren Unterrichtsmaterialien werden argumentative Fähigkeiten eher vorausgesetzt als systematisch gefördert. Auch curriculare Vorgaben bleiben zumeist sehr unspezifisch. Lehrpersonen werden so weitgehend allein gelassen mit der Aufgabe, Lernende beim Erwerb argumentativer Fähigkeiten zu fördern.

Die vorliegende Aufgabensammlung soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Sie bietet Lehrpersonen reichhaltige Materialien für die spiralcurricular angelegte, systematische Förderung argumentativer Fähigkeit anhand exemplarischer Inhalte. Orientiert an klaren fachlichen Standards finden sich hier Aufgaben auf vier Niveaustufen, jeweils in Verbindung mit übersichtlichen Merkblättern. Die Aufgaben der beiden unteren Niveaustufen lassen sich bereits für jüngere Lernende der Sekundarstufe einsetzen, Aufgaben der obersten Niveaustufe richten sich an Lernende von Abschlussklassen oder der Studieneingangsphase. Für die Hand der Lehrpersonen werden die Aufgaben und Merkblätter durch fachliche und didaktische Kommentare sowie Lösungshinweise ergänzt.

Versionen

Ein gedrucktes Buch folgt bald.

Das komplette Open-Access-E-Book können Sie hier herunterladen (PDF, Stand 21.11.2022) (S/W-Version).

Die Einzeldateien des Buchs finden Sie hier, einerseits die einordnenden Texte

und dann vor allem die einzelnen Aufgaben-Bausteine in den vier Niveaustufen I–IV:

A: Argumente entwickelnB: Argumente interpretierenC: Argumente evaluieren
Niveau I
A.I.1. Aussagen begründen
Lernende begründen ihre Aussagen und verwenden dabei Wörter, die Argumentationen anzeigen.
B.I.1. Argumentierende und andere Aussagen (S/W-Version)
Lernende unterscheiden argumentierende Äußerungen von Äußerungen, in denen keine Argumente vorkommen.
C.I.1. Relevanz von Argumenten
Lernende evaluieren die Relevanz eines Arguments für das Thema der Diskussion (z.B. für eine diskutierte These).
B.I.2. Unterscheidung von Prämissen und Konklusion (S/W-Version)
Lernende unterscheiden begründete Aussage (Konklusion) von begründenden Aussagen (Prämissen) in einem vorliegenden Argument.
B.I.3. Verschiedene Arten von Aussagen (S/W-Version)
Lernende identifizieren deskriptive und nicht-deskriptive (insb. normative) Aussagen.
Niveau II
A.II.1. Die Standardform
Lernende stellen eigene Argumente in Standardform dar.
B.II.1. Die Standardform
Lernende bringen Aussagen aus Beiträgen, in denen vollständige Argumente vorhanden sind, in Standardform.
C.II.1. Thesen stützen oder kritisieren
Lernende evaluieren, wie ein Argument zu einer gegebenen These steht (sie stützt vs. kritisiert vs. neutral dazu steht).
A.II.2. Argumentative Texte schreiben
Lernende verfassen eigene argumentative Texte mit erkennbarer Argumentationsstruktur.
B.II.2. Implizite Prämissen ergänzen (S/W-Version)
Lernende bringen Aussagen aus Beiträgen, in denen unvollständige Argumente vorhanden sind, in Standardform, u.a., indem sie implizite Prämissen explizit machen und ergänzen.
C.II.2. Relevanz von Prämissen
Lernende evaluieren innerhalb eines Arguments die Relevanz der Prämissen für die Konklusion (Vollständigkeit/Überflüssigkeit).
B.II.3. Implizite Konklusionen ergänzen (S/W-Version)
Lernende bringen Aussagen aus Beiträgen, in denen unvollständige Argumente vorhanden sind, in Standardform, u.a., indem sie eine implizite Konklusion explizit machen und ergänzen.
C.II.3. Kritik an Argumenten (S/W-Version)
Lernende unterscheiden Kritik am Inhalt (den Prämissen) und Kritik an der Form von Argumenten (z.B. ihrer Vollständigkeit).
C.II.4. Argumentationsfehler identifizieren (S/W-Version)
Lernende identifizieren erste Argumentationsfehler (Sein-Sollen-Fehlschluss, Petitio principii, Ignoratio elenchi).
Niveau III
A.III.1. Deduktive Schlüsse verwenden
Lernende verwenden reflektiert einfache deduktive Schlüsse (Modus ponens, Modus tollens, Ausschlussprinzip, Kontravalenzschluss) in eigenen Argumenten.
B.III.1. Deduktive Schlüsse rekonstruieren
Lernende identifizieren einfache deduktive Schlüsse (Bsp. links) in vorliegenden Argumenten und rekonstruieren sie entsprechend.
C.III.1. Gültigkeit und Stichhaltigkeit
Lernende evaluieren die Stützungsbeziehungen in Argumenten in
deduktiven Schlüssen (Bsp. links) und identifizieren ggf. Fehlschlüsse in diesem Zusammenhang (hinreichende Bedingung für notwendig halten oder umgekehrt, Falsche Alternative, Falsche Kontravalenz).
A.III.2. Nicht-deduktive Schlüsse verwenden
Lernende verwenden reflektiert einfache nicht-deduktive Schlüsse (z.B. Verallgemeinerungen, Analogieschlüsse, Schluss auf die beste Erklärung) in eigenen Argumenten.
B.III.2. Nicht-deduktive Schlüsse rekonstruieren
Lernende identifizieren einfache nicht-deduktive Schlüsse (Bsp. links) in vorliegenden Argumenten und rekonstruieren sie entsprechend.
C.III.2. Nicht-deduktive Stärke
Lernende evaluieren die Stützungsbeziehungen in Argumenten in nicht-deduktiven Schlüssen (Bsp. links) und identifizieren ggf. Fehlschlüsse in diesem Zusammenhang (z.B. falsche
Verallgemeinerung, Disanalogie, unzureichende Erklärung/bessere
Erklärung verfügbar).
A.III.3. Kohärentes Argumentieren (S/W-Version)
Lernende entwickeln eigene Argumente reflektiert derart, dass sie kohärent zu den anderen eigenen Argumenten/Aussagen passen.
B.III.3. Pro- und Contra-Argumente (S/W-Version)
Lernende interpretieren Texte und Diskussionen derart, dass sie eine zentrale These sowie die einzelnen Argumente für und gegen diese These herausarbeiten (Pro-/Contra-Liste).
C.III.3. Kohärenz von Argumenten (S/W-Version)
Lernende evaluieren, inwiefern ein Argument kohärent zu anderen Argumenten passt (z.B./insb. zu den Argumenten/Aussagen derselben Person).
Niveau IV
A.IV.1. Komplexere deduktive Schlüsse verwenden (S/W-Version)
Lernende verwenden reflektiert komplexere deduktive Schlüsse (z.B. Kettenschlüsse, Kontrapositionen, Dilemmaschlüsse, De Morgan, Quantorendualität) in eigenen Argumenten.
B.IV.1. Komplexere deduktive Schlüsse
Lernende identifizieren komplexere deduktive Schlüsse (Bsp. links) in vorliegenden Argumenten und rekonstruieren sie entsprechend.
C.IV.1. Komplexere deduktive Schlüsse evaluieren (S/W-Version)
Lernende evaluieren die Stützungsbeziehungen in Argumenten in
komplexeren deduktiven Schlüssen (Bsp. links) und identifizieren ggf. Fehlschlüsse in diesem Zusammenhang.
A.IV.2. Schluss auf die beste Erklärung · Autoritätsargument (S/W-Version)
Lernende verwenden reflektiert komplexere nicht-deduktive Schlüsse (z.B. komplexere Varianten der in Niveau III behandelten Schlussformen, Autoritätsargumente) in eigenen Argumenten.
B.IV.2. Schluss auf die beste Erklärung · Autoritätsargument
Lernende identifizieren komplexere nicht-deduktive Schlüsse (Bsp. links) in vorliegenden Argumenten und rekonstruieren sie entsprechend.
C.IV.2. Schluss auf die beste Erklärung · Autoritätsargument
Lernende evaluieren die Stützungsbeziehungen in Argumenten in
komplexeren nicht-deduktiven Schlüssen (Bsp. links) und identifizieren ggf. Fehlschlüsse in diesem Zusammenhang (z.B. Disanalogie, unzureichende Erklärung/bessere Erklärung verfügbar).
A.IV.3. Begründen und Kritisieren in Diskussionen (S/W-Version)
Lernende entwickeln eigene Argumente reflektiert derart, dass sie geeignet sind, andere eigene Argumente/Aussage zu stützen sowie ggf. andere, konkurrierende Argumente/Aussagen zu kritisieren.
B.IV.3. Argumentbeziehungen (S/W-Version)
Lernende interpretieren Texte und Diskussionen derart, dass
sie die vielfältigen Stützungs- und Angriffsbeziehungen der Argumente
und Thesen untereinander herausarbeiten (Gründehierarchie,
Debattenkarte).
C.IV.3a. Argumente im Kontext (S/W-Version)
C.IV.3b. Zirkuläre Argumentketten (S/W-Version)
Lernende evaluieren, inwiefern ein Argument im Kontext einer Debatte geeignet ist, andere Argumente/Positionen indirekt zu stärken oder zu schwächen (ggf. auch bei komplexeren Phänomenen,
z.B. zirkulären Argumentketten).
C.IV.4. Post-hoc-Fehlschluss
Lernende identifizieren komplexere Fehlschlüsse und Argumentationsfehler (z.B. post hoc ergo propter hoc, Äquivokation, ad hominem, …).